1000 Jahre Tradition

 

Wenn auch 1280 erstmals urkundlich erwähnt, geht der Erzabbau und die Eisenverarbeitung in unserer Region sicher auf das 8. oder 9. Jahrhundert zurück. Dies belegen z. B. Funde anlässlich jüngster Grabungen im Schloss in Sulzbach-Rosenberg. Es waren Brauneisenerze (Sekundärerze) die im Mittelalter bis zu einer Teufe (Tiefe) von 40 Lachtern (ca. 80 m) gewonnen wurden.

 

Aus einfachen für die Eisenschmelze angelegten Mulden an Berghängen entwickelten sich die sog. Rennöfen, aus Lehm und Stroh geformte Schachtöfen. Um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert wanderten die Eisenschmelzen in die Täler ab, Hammerwerke entstanden. In einem Rennfeuer, ähnlich einer Esse gewann man aus dem Erz mit Hilfe von Holzkohle, unterstützt von einem mit Wasserkraft angetriebenem Blasebalg, einen schmiedbaren Eisenklumpen, die Luppe. Das so gewonnene Eisen wurde zerkleinert und im Wellherd nochmals erhitzt. Unter dem wassergetriebenen Eisenhammer entstand aus dem Eisenklumpen sog. Schien- oder Zaineisen, Halbfabrikate die, wenn möglich auf dem Wasserweg – Amberg war bis 1826 nördlichster Donauhafen – europaweit vertrieben wurden. Heute kaum vorstellbar, dass bis zu 240 Hammerwerke in der Oberpfalz und im angrenzenden Franken etwa 20% des europäischen Eisenbedarfs deckten.

 

1387 hatten sich 77 dieser Hammerwerke zur „Großen Hammereinung“ zusammengeschlossen. Ein 250 Jahre währendes Wirtschaftskartell, das zum Träger des Wohlstandes der Region wurde.

 

Ende des 15. Jahrhunderts stellte man fest, dass sich die äußere Schicht der Luppe, der Deichel, besonders gut zur Herstellung von Blechen eignet. Die Stadt Amberg und der Landesherr gründeten die Weißblechhandelsgesellschaft, ein äußerst gewinnbringendes Unternehmen. „Weiß“-Blech, da Zinn aus dem Fichtelgebirge und dem Böhmerwald (!) das in Blechhämmern geschmiedete Blech „verdelte“.

 

Aus vielerlei Gründen kam im beginnenden 17. Jahrhundert das Aus für den Bergbau und die Hammerwerke. Aus einst stolzen Hämmern entstanden Mühlen und Glasschleifen.

 

Anfang des 19. Jahrhunderts ergriff der bayerische Staat die Initiative, es waren die Anfänge der Luitpoldhütte, des damaligen Bergärars. 1863 hat die Maximilianshütte in Rosenberg den ersten Kokshochofen in Bayern angeblasen, 1883 folgte die Luitpoldhütte. Letztere musste ihren Bergbau bereits 1964 stilllegen, alles Erz war geraubt. 1975 förderte die Maxhütte das letzte Erz in Sulzbach-Rosenberg, 1987 in Auerbach. Wirtschaftlichen Zwängen folgend waren damit die letzte Eisenerzgrube Deutschlands abgeworfen worden, 60 Millionen Tonnen Erz der Erde geraubt, 1000 Jahre Tradition begraben.

 

Heute erinnern noch das Rohrwerk der Maximilianshütte, die Eisengießerei der Luitpoldhütte, das Bergbau- und Industriemuseum in Theuern, die Anlagen der Grube Maffei in Auerbach, das Stadtmuseum in Sulzbach-Rosenberg, die Bayerische Eisenstraße und der Erzweg als qualifizierter Wanderweg an einstiges Geschehen.

 

Glück auf!